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Kathrine Windfeld – Salt Sea Atlas

Review Kathrine Windfeld – Salt Sea Atlas

Kürzlich sagte man mir sinngemäß, es fänden sich sehr viele Jazz-Reviews hier, das sei etwas aus der Balance. Das kann ich nicht bestreiten, es hat aber einen Grund. Der 50. Satie und der 5000. Mozart – das wird irgendwann fad, Pop-Alben sind akustisch meist nicht sonderlich ergiebig, bei Rock ist es ähnlich. So sind oft Jazz-Alben die mit dem besten Ideen bei gutem Klang. Jüngstes Beispiel: Kathrine Windfeld und ihr neues Album Salt Sea Atlas.

Die Dänin tritt auf Salt Sea Atlas als Pianistin, Komponistin und Leiterin einer 17-köpfigen Big Band auf, die gar nicht wie eine Big Band klingt, sondern eher wie ein kooperatives Grüppchen Musiker, das zufällig dann und wann auch mal orchestral zusammen findet. Wobei – einige Stücke spielt auch ein 11-köpfiges Ensemble, andere ein Septett und wieder andere ein Quintett. Welche das genau sind? Das könnte das Booklet zum Album erklären, wenn es denn eines gäbe. Dem ist leider nicht so, und damit bleibt nur, den eigenen Ohren zu vertrauen.

Das ist aber nicht leicht, denn Salt Sea Atlas agiert vor- und umsichtig, sensibel und leichtfüßig, statt eine Gebläse-Tonnage in den Hörraum zu schubsen. Gut so. Denn wer Regeln bricht, öffnet Türen für Entdeckungen. So zum Beispiel, dass sich Ruhe und Entspannung als Teil der musikalischen Ausdrucks schlüssig wie ein roter Faden durch die acht Kompositionen ziehen. Kontrastiert wird die Stimmung durch Solo-Passagen, denen es an Gespür für Dynamik, Dramatik und Charakter in keiner Sekunde fehlt.

Svendborg Silhouette eröffnet das Album mit einer Bigband, die orchestral und langsam anhebt, wie ein Sonnenaufgang vor der Kulisse von Windfeld’s Geburtsstadt. Das folgende Lakeside Lament ist ein stimmungsvolles und zartes Beinahe-Duo aus Piano und Schlagzeug mit feinen Saxophon- und Gitarren-Einwürfen, bevor Going Feral den ersten Tusch platziert – kräftig, mit selbstbewusstem Trompeten-Solo, die Bigband weit aufgefächert, und viel Detail hörbar. Im Kontrast dazu das rhythmisch marschierende Immortal Horesman, dessen Bläser-Thema von geradezu dissonanten Stravinsky-Akkorden konterkariert wird, bis ein warmes Saxophon-Solo das beunruhigte Gemüt einfängt.

In diesem Spannungsfeld aus unbestimmter Offenheit, konkret zupackenden Rhythmen und charmanten Melodiebögen bewegt sich das Gros der Titel – Secrets of The Permafrost liefert die Inklusion: erst die kühle, beinahe undefinierte Tiefe, dann feiner Jazz mit Anklängen an John Abercrombie im Gitarrenpart.

Die Aufnahmen, die übrigens von August Wanngren im Kopenhagener The Village Recording Studio betreut wurden, entstanden innerhalb von nur zwei Tagen – Tag 1 für die kleineren Besetzungen, Tag 2 für die Bigband. Das ist, gerade mit Blick (oder Ohr) auf die durchgängig hohe musikalische wie akustische Qualität, beeindruckend. Und dass es so gut gelungen ist, zeugt von der Klasse der beteiligten Musiker und von Windfelds Vermögen, diese exzellent zu führen.

Salt Sea Atlas ist daher ohne Frage ein exzellentes Album. (Thomas Semmler, HighResMac)

Kathrine Windfeld, Klavier, Komposition & Leitung
Casper Hejlesen, Gitarre
Johannes Vaht, Kontrabass
Jakob Roland, Kontrabass
Henrik Holst Hansen, Schlagzeug
André Bak, Trompete
Tomasz Dąbrowski, Trompete
Rolf Thofte, Trompete
Jakob Sørensen, Trompete
Peter Dahlgren, Posaune
Anders Larson, Posaune
Tobias Stavngaard, Posaune
Annette Saxe, Bassposaune
Kasper Wagner, Altsaxophon, Flöte
Magnus Thuelund, Altsaxophon, Flöte
Hannes Bennich, Sopransaxophon

Kathrine Windfeld – Salt Sea Atlas

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