Es ist die Zeit der persönlichen Werke, scheint’s. Kaum eine Neuerscheinung ohne Begleittext, der nicht von Einkehr, internem Review, ehrlicher Selbstanalyse oder einer Reise in Wunsch und Wirklichkeit fabuliert oder schwurbelt oder beides tut, manchmal. Lalah Hatahway blickt mit Made in Chicago gleichfalls zurück, aber ihr neues, sechstes Album bietet Substanz.
Die Substanz ist vielfältig. Da sind zum einen ihre Wurzeln als Tochter von Soul-Sänger Donny Hathaway. Dann ist da die Idee: Gedacht ist Made In Chicago als Hommage an ihre Geburtsstadt Chicago wie auch an den Einfluss ihres Vaters. Die Lyrics gehören dazu, die ihre Entwicklung im Genre Revue passieren lassen, Emotionen, Aufs und Abs inklusive.
Und substanziell ist auch die Musik. Zum einen durch die Band, die Hathaway begleitet. Ihre zehn Musiker, darunter fünf Bläser, sind schon ein halbes Orchester. Entsprechend füllig kann der Sound geraten. Oder knackig, wie schon der Opener 47th Street zur Begrüßung des Zuhörers belegt: Bläser-Stakkato unisono mit Tom-Wirbeln machen Druck.
Die insgesamt neun Songs des Albums wirken phasenweise wie eine Geschichtsstunde des Soul. Mal bluesig, mal funkig, mal melodiös und immer groovy – das Spektrum ist umfassend und bestrickend zu gleich. Was auch für Hathaways Stimme gilt. Warm, ein bisschen rau, oft überraschend zart und schmeichelnd, zieht sie in jeden Song hinein.
Die Atmosphäre von Made in Chicago ist trotz der recht breiten Bühne intim. Der Gesang ist immer greifbar, Saxohpon-Soli wie in Every Little Thing sind rücksichtsvoll und fegen einen nicht vom Stuhl, überhaupt wirkt die Aufnahme bei aller Klarheit und Feinheit, als spielte das Ensemble in einem kleinen Raum und wüsste das auch. Ohne Frage ist Made in Chicago feine Kost:
Exzellenter Soul und toll wie ein Wohnzimmerkonzert, das sich jederzeit wiederholen lässt. (Thomas Semmler, HighResMac)
Lalah Hathaway, Gesang
Phil Beaudreau, Trompete, Gitarre, Background-Gesang, Perkussion, Mixing, Mastering, Programmierung
Amber Navran, Saxofon
Hailey Niswanger, Saxofon
Elena Pinderhughes, Flöte
Justin Tyson, Schlagzeug
Roland Gajate Garcia, Perkussion
Eric "Pikfunk" Smith, Gitarre, Bass
Errol Cooney, Gitarre
Michael Aaberg, Klavier, Rhodes
MAE.SUN, Tenorsaxofon
J. Ivy, Spoken Word
