Richard Galliano, Sylvain Luc, André Ceccarelli and Philippe Aerts - New Jazz Musette

Review Richard Galliano, Sylvain Luc, André Ceccarelli and Philippe Aerts - New Jazz Musette

Man liegt sicherlich nicht daneben, wenn man Richard Galliano als französischen Astor Piazzollo des Akkordeons bezeichnet. Allerdings huldigt Galliano nicht dem argentinischen Tango, sondern der französischen Volksmusik in Gestalt der Musette. Diese kommt üblicherweise als Chanson daher; nicht so jedoch bei Richard Galliano, der sie auf das Akkordeon übertragen in die Welt des Jazz entführt. Und das überaus erfolgreich. Den Erfolg verdankt Gallianos Jazz Musette nicht etwa der Sicht eines Jazzmusikers auf die französischte der französischen Volksmusiken, sondern eines im Dunst der Musette aufgewachsenen Franzosen. Gallianos Vater war klassischer Musettespieler. Um Abstand vom Vater zu gewinnen, widmete sich der junge Richard der Klassik, bevor er bereits in früher Jugendzeit … zum Jazz wechselte, um dann später französiche Chansongrößen wie Charles Aznavour und Juliette Greco auf dem Akkordeon zu begleiten. Den entscheidenden Kick in Richtung Musette erhielt Richard Galliano von Astor Piazolla Mitte der achtziger Jahre. Der argentinische Altmeister des Tango-Akkordeons motivierte den Franzosen, seinen eigenen Akkordeonstil zu entwickeln. Das Ergebnis ist die Jazz Musette, die sich rasch etablierte und zum Markenzeichen Richard Gallianos wurde. Das aktuelle Album, auf dem der Akkordeonist von, Sylvain Luc - Gitarre, Philippe Aerts - Bass und André Ceccarelli - Schlagzeug begleitet wird, darf als Rückblick auf dreißig Jahre New Musette, die nicht weniger als zwei Dutzend CDs gezeitigt hat, und als Ausblick auf die New Jazz Musette gelten.

Die Stücke des neuen Albums kommen derart frisch daher, dass es einen nur mühsam im Sessel hält. Tatsächlich entfaltet die New Jazz Musette eine mitreißende, aber auch kontemplative Wirkung auf den Zuhörer ähnlich dem argentinischen Tango eines Astor Piazolla, von dem man ausgehen darf, dass er an dem französischen Komplement seiner Tangos, der auf seine Anregung hin in den Jazz übertragenen Musette, dargeboten vom Akkordeon-Hexenmeister Richard Galliano viel Spaß und Freude gehabt hat. Das typisch französische Flair, ja der Duft der Musette hat durch ihre Übertragung in den Jazzwelt nichts an Wirkung eingebüßt. Ganz im Gegenteil hat die zum Volksmusikschatz der Franzosen gehörende Musette in der Jazzvariante an Schwung und Überzeugungskraft hinzugewonnen.

Verächter des Akkordeons, etwa, weil man in der Kindheit gezwungen wurde, das Spiel auf diesem bei Festumzügen und Feiern gerne für vermeintliche Volksmusik missbrauchten Instruments zu erlernen, werden durch das Album New Jazz Musette das ehemals ungeliebte Akkordeon in völlig neuem Licht als farbenfroher und rhythmisch starker Vermittler unbändiger Lebensfreude erleben, und vielleicht gar einen neuen Zugang zu ihm wagen.

Die Aufnahmetechnik des Downloads dieses Albums tut ihr Übriges, die vom Galliano-Quartett feurig abgelieferte Jazz Musette des Richard Galliano Quartetts zum mitreißenden Ereignis zu machen, das vor Lebensfreude nur so sprüht.

Richard Galliano, Akkordeon
Sylvain Luc, Gitarre
Philippe Aerts, Kontrabass

Richard Galliano, Sylvain Luc, André Ceccarelli and Philippe Aerts - New Jazz Musette

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