Luzerner Sinfonieorchester & James Gaffigan - Antonin Dvorak – Symphony Nr. 6 – American Suite

Review Luzerner Sinfonieorchester & James Gaffigan - Antonin Dvorak – Symphony Nr. 6 – American Suite

Dass die Schweiz als relativ kleines Land über eine vielfältige Orchesterkultur verfügt, ist Nichtschweizern nicht unbedingt geläufig. Allenfalls das am Genfer See ansässige Orchestre de la Suisse Romande wird dank von der Decca in den sechziger Jahren dokumentierter glorreicher Zeiten unter Ernest Ansermet auch heute noch international wahrgenommen. David Zinman hat in den neunziger Jahren nicht zuletzt mit seinem berühmten Beehoven-Zklus dafür gesorgt, dass das Züricher Tonhalleorchester international nachhaltig in das Bewusstsein des konzertinteressierten Publikums geraten ist. Dass abgesehen von diesen beiden Leuchttürmen auch weitere Städten der Eidgenossenschaft auf hohem Niveau sinfonisch versorgt werden, wissen hingegen nur Wenige. So ist die Hauptstad Bern stolz auf ihr aktuell von Mario Venzago geleitetes Sinfonieorchester, das bereits seit beinahe 140 Jahren besteht. Basel punktet mit seinem nicht viel jüngeren Sinfonieorchester, das unter der Leitung von Dennis Russel Davis Furore macht. Und in Luzern am Vierwaldstätter See residiert seit 1806 das LSO, das Luzerner Sinfonieorchester, geleitet von seinem jungen Chefdirigenten, dem US-Amerikaner James Gaffigan, der außerdem als erster Gastdirigent beim Radio Filharmonisch Orkest Hilversum und dem Gürzenich- Orchester Köln aktiv ist.

Das LSO genießt den nicht zu unterschätzenden Vorteil, im 1998 eröffneten Konzertsaal des Kultur- und Kongresszentrums Luzern, dem KKL zu residieren, der weltweit zu den akustisch besten Konzertsälen zählt, und der auch dem in den letzten Jahren mit überwältigendem Erfolg vom kürzlich verstorbenen Claudio Abbado geleiteten Luzerner Festspielorchester –ein handverlesenes Ensemble der absoluten Spitzenklasse – den angemessenen akustischen Rahmen bot. Kein Wunder also, dass die vom LSO jetzt vorgelegten Dvorak-Aufnahmen sich eines überaus luxuriösen Klanggewands mit samtig weichen Geigen, golden glühendem Blech, vielfarbig glänzendem Holz und dynamisch eindrucksvoll agierendem Schlagwerk erfreuen. Noch vorteilhafter, als in einer derart fulminant akustisch optimierten Umgebung kann sich ein Sinfonieorchester gar nicht präsentieren.

Mit seiner sechsten Sinfonie wollte Dvorak, der seinen deutsch/österreichischen Nachbarn als eher undisziplinierter melodienseeliger böhmischer Musiker galt, dem eine „ernsthafte“ sinfonische Verarbeitung von Motiven fremd ist, beweisen, dass seine Sinfonik mit nicht weniger Disziplin einhergeht als die Sinfonik eines Johannes Brahms. Diesem Ziel sehr nahe kommt die Interpretation der sechsten Sinfonie durch das LSO, die frei von jeglicher böhmelnder Anmutung ein präzises Abbild der kompositorischen Vorlage abliefert. Das klingt mitunter in der Tat eher nach Brahms als nach Dvorak. George Szell lässt grüßen, der mit seinem Cleveland Orchestra in eine ähnliche Richtung plädiert hat. Jedenfalls ist dieser Ansatz Dvorak relativ streng à la Brahms zu musizieren nur fern vom Moldaustrand, in diesem Fall an der Reuss realisierbar, die Luzern nahe dem KKL quert.

Die ursprünglich für Klavier gesetzte, heute so genannte Amerikanische Suite, die Suite op. 98b, variiert, zwischen Dur und Moll changierend in fünf Sätzen böhmische Melodien in scheinbar simpler, weil stets eingängiger Weise fern jeglicher Schwermut, ohne die ein Brahms nicht denkbar wäre. Überraschenderweise geht das von James Gaffigan auch hier gewählte, eher nüchtern anmutende Konzept, Dvorak frei von böhmelndem Ansatz zu präsentieren, in der Umsetzung durch sein LSO voll auf.


Spektrogramm
Abtastrate 96 kHz: verifiziert
Abtastbreite 24 Bit: in Ordnung

Kommentar:
Technisch mögliches Spektrum voll ausgenutzt

Luzerner Sinfonieorchester & James Gaffigan - Antonin Dvorak – Symphony Nr. 6 – American Suite

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